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Im Jahr 2032 ist der Computer nur noch Elektroschrott – diese These hat Prof. Dr. Lutz Heuser mit rund 40 Forschern und Wissenschaftlern in dem Buch Heinz’ Life – vom Kommen und Gehen des Computers aufgestellt. Nun entwickelt er das Konzept in diesem Blog weiter.·

In einem bisher unveröffentlichten Kapitel blickt die Titelfigur Heinz auf das kommende Jahr und fragt sich: Was erwartet uns 2011.

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heinz-lifeHeinz´Life als innovatives Geburtstagsgeschenk - erfahren Sie mehr über die These in Heinz´Life:

„In 20 Jahren sind Computer nur noch Elektroschrott“ !

 

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Inhaltsangabe

Ich freue mich auf jeden weiteren Blick in die Kristallkugel...

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Max Mühlhäuser



09.12.2010 14:54:15

Man könnte sagen: „Wenn die Deutsche IT stark ist, braucht sie kein Babyfläschchen der Kanzlerin; und wenn sie schwach ist, ist ohnehin alles zu spät.“


Man könnte auch sagen: „Die Bundesregierung macht mit dem Software-Cluster riesige Anstrengungen, um das einzigartige Software-Ökosystem im Südwesten Deutschlands noch stärker zu machen, sie fördert mit Trusted-Cloud und anderen Programmen IT-Forschung und Entwicklung, und mit dem Breitband-Ausbau den Netzzugang in allen Teilen des Landes – das muss doch reichen!“


BEIDES IST FALSCH!


Deutschland *hat* eine starke IT-Forschung und Ausbildung, ausgezeichnete Klein- und

Mittelständler und immerhin *noch* „Global Player“. Dennoch muss eine Regierung immer dann

bei Zukunftstechnologien mit *mehr* als den üblichen Förder- und Begleitmaßnahmen eingreifen, wenn  einer von drei Fällen vorliegt:


ERSTENS: ganz entscheidende Innovationsbarrieren sind zu überwinden


ZWEITENS: laufende Entwicklungen stellen das Selbstverständnis der Nation – für Deutschland: das eines demokratischen Rechtsstaates in subtiler sozialer und marktwirtschaftlicher Balance – in Frage.


DRITTENS: im internationalen Kampf um IT-Spitzenplätze spielen andere Nationen die „Regierungs-Karte“ so geschickt, dass wir ohne diese Karte nicht mithalten können.

 

In der Deutschen IT geht es um alle diese drei Dinge gleichzeitig, siehe folgendes Beispiel:

Das  „Internet der Dienste“  schickt sich an, Stück für Stück das weltweite Wirtschaftsgeschehen

in sich aufzusaugen und zum Motor und Marktplatz der Weltwirtschaft,aber auch einer immer rascheren Globalisierung zu werden.

Das geschieht in drei Wellen: zuerst werden beliebige Produkte und Dienstleistungen vollständig

digital beschrieben und im Internet weltweit ‚handelbar‘ gemacht; dann treten digitale Mehrwertdienste auf, die aus den einfachen „Diensten“ höherwertige Wirtschaftsgüter geringstmöglicher „Fertigungstiefe“ machen (ein derart Ressourcen-armes Geschäft, dass

Schwellenländern auf Augenhöhe mitkämpfen!); schließlich werden sogar die  Wirtschaftstreibenden selbst im Netz „digital“: Software handelt mit Software, bietet mit, „baut“ höherwertige Dienste – spätestens dann ist in der globalen Wirtschaft nichts mehr wie es war!


Deutschland hat keine (erstrebenswerte) Zukunft mehr, wenn wir in diesem neuen,

irgendwann einmal *einzigen* Weltmarkt nicht ganz vorne mitmischen. Und die Bundesregierung hat sogar ein Leuchtturmprojekt gefördert, das die weltweit besten F&E-Ergebnisse für das Internet-der-Dienste hervorgebracht hat. Doch jetzt sieht man:

I
nnovationsbarrieren: die deutschen KMUs warten auf die „Großen“, die einen florierenden (!) Marktplatz (sog. Service Delivery Framework) bereitstellen sollen – und die “Kandidaten” für solche Marktplätze erklären sich entweder nicht für zuständig (SAP) oder bleiben zurückhaltend, bis nachgewiesen ist, dass „der Markt floriert“.· Ein typisches Henne-Ei-Problem, das nur durch strategische Eingriffe einer starken, entschlussfähigen Regierung gelöst werden kann.


U
nser Rechtsstaat, wie wir ihn kennen, ist in Gefahr: spätestens die genannte „dritte Welle“ kann zu Verzerrungen (bspw. globalen Monopolen) und zu über Nacht auftretenden Wirtschaftskrisen führen, die uns im Mark erschüttern können und auf die wir heute noch keine Spur einer Antwort haben.


A
ndere Nationen spielen die „Regierungskarte“: in Asien und anderen Ländern wird das Internet der Dinge konsequent vorangetrieben, gefördert, ins Land gelockt – dort will man mit aller Macht die Vormachtstellung der „Ersten ganz Großen“ erreichen – so wie in anderen IT-Bereichen schon Microsoft, Intel,Google und andere jahrzehntelang unangefochtene Spitze waren oder sind, weil sie jeweils der erste ganz Große am Markt waren.

 

In der IT-Branche kann man selten „erst einmal zuwarten“. Die Bundesregierung hat an vielen Stellen für die Deutsche IT großes geleistet und tut das noch immer. Aber wir brauchen sie darüber hinaus als politisch treibende Kraft, die die Deutsche IT-Zukunft als *die* Zukunft Deutschlands versteht und gestaltet und ihr die entscheidenden Impulse gibt.


Deutschlands IT-Strategie muss Chefinnen-Sache sein!


  
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07.12.2010 08:13:40

Deutschland ist eine starke IT-Nation – und trotzdem verschwinden die „Global IT Player“ von der Deutschen Landkarte. Vorbei die Zeit, als Hersteller-Namen wie Nixdorf und Siemens im Verbund mit Software-Größen wie SAP und Netzwerk-Größen (u.a. wieder Siemens) im globalen IT-Chor mitsangen. Als einer der Letzten hat Siemens inzwischen das Licht ausgeknipst, d.h. seine IT-Sparte umgebaut zur Support-Truppe für die lukrativer erscheinenden Geschäftszweige wie Medizin und Anlagenbau. Mercedes war diesen Weg schon Jahre zuvor gegange (nach einer weit weniger rühmlichen „Erfolgsgeschichte“).

Die Software AG hat trotz Akquisition von IDS Scheer – wenn alles gut geht – noch eine ordentliche Wegstrecke zu gehen bis zu einem Platz unter den ganz Großen. Und falls SAP seine großen Herausforderungen nicht (allein) stemmen würde – wo wäre noch ein Global Player der Deutschen IT? Kann uns das egal sein? Nein, denn unser IT-Ökosystem braucht Große und Kleine, die Gründe hierfür
kann man bei den führenden IT-Nationen studieren. Und die IT bleibt die Speerspitze der Hochtechnologie, gerade in einem Lohnkosten-intensiven und rohstoffarmen Land wie Deutschland – daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es inzwischen pressewirksamere (und damit von Politikerinnen lieber heimgesuchte) Bereiche gibt.

Gibt es ein unerkanntes Zukunftsthema für die Deutsche IT? *JA!* E-Energy, E-Mobility und andere ganz große Zukunftsprojekte unserer Nation bringen einen Umbau Deutschlands mit sich zu einem Staat, dessen Kritische Infrastrukturen – Verkehr, Energie, Logistik usw. – immer mehr vom Internet als *hyperkritischer Infrastruktur* abhängen – das ist Gefahr und Chance in einem: Deutschland muss führend werden bei sicheren und zuverlässigen IT-Infrastrukturen!

Deutschlands IT-Strategie muss Chefinnen-Sache sein!

von Prof. Dr. Max Mühlhäuser, Technische Universität Darmstadt


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